LARA Komplex
ist ein kostenloses und auf Wunsch anonymes Beratungsangebot.
LARA KOMPLEX hat das Ziel zur Verbesserung der Versorgung von Frauen, trans*, inter* und nicht-binären Personen, die wiederholte und langanhaltende sexualisierte, physische und/oder emotionale Gewalt erlebt haben, beizutragen.
Wir beraten und unterstützen komplex traumatisierte Frauen, trans*, inter* und nicht-binäre Personen:
- in der Überbrückung von Wartezeiten auf einen Therapieplatz, Therapiepausen oder Intervallbehandlungen sowie Nachbetreuung nach einem Klinikaufenthalt
- im Umgang mit Behörden und bei der Antragstellung (z.B. Einzelhilfe)
- bei der Suche nach Therapeut*innen
- bei der Suche nach geeigneten medizinischen Versorgungsangeboten (z.B. Kliniken, Ärzt*innen)
- beim Aufbau von Unterstützungsstrukturen im Alltag
Auch unterstützende Angehörige und Bezugspersonen können von uns beraten werden.
Die Beratung kann persönlich oder telefonisch erfolgen.
Zusätzlich zu unserer individuellen Beratung bieten wir ein Gruppenangebot an (aktuell im Aufbau).
Die Beratung ist:
- kostenlos
- parteiisch
- auf Wunsch anonym
- unabhängig
- vertraulich
Schweigepflicht
Wir geben keine Informationen ohne Ihre Zustimmung an andere Person oder Behörden weiter.
Sie allein entscheiden, ob und welche Informationen Sie teilen wollen.
Wir bieten fallbezogene Vernetzung mit Fachkräften aus dem Gesundheitsbereich und psychosozialen Bereich zum Thema Komplextraumatisierung und Dissoziation (u.a. komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, Dissoziative Identitätsstruktur). Durch einen kontinuierlichen fachlichen Austausch und kurze Kommunikationswege kann die Qualität der Unterstützung von komplex traumatisierten Menschen erheblich verbessert werden.
Zum Thema Komplextraumatisierung & Dissoziation bieten wir an:
- einen fallbezogenen interdisziplinären Austausch
- eine Schnittstelle für Fachkräfte
- Fachveranstaltungen
- Intervision
Kontakt:
E-Mail: komplex@lara-berlin.de
Telefon: 030 - 219 641 52
telefonische Beratungsanfragen: Montag–Mittwoch 10:00–15:00 Uhr
Was ist ein Trauma?
Ein TRAUMA bezeichnet eine psychische und körperliche Reaktion auf ein Ereignis, das als extrem bedrohlich, überwältigend und erschütternd erlebt wird und die persönlichen Bewältigungsstrategien eines Menschen übersteigt. Es handelt sich um eine Erfahrung, die zu einer tiefen Verletzung der körperlichen und psychischen Unversehrtheit und des eigenen Sicherheitsgefühls führen kann und das Leben einer Person nachhaltig beeinflusst.
Wann spricht man von Komplextraumatisierung?
KOMPLEXTRAUMATISIERUNG bezeichnet die Erfahrung von wiederholten und langanhaltenden Traumata, die in der Regel in der Kindheit beginnen. Im Gegensatz zu einzelnen traumatischen Ereignissen handelt es sich bei komplexer Traumatisierung also um fortlaufende oder wiederholte Erlebnisse, die über längere Zeiträume hinweg andauern können. Diese Form der Traumatisierung hat oft tiefgreifende Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit der betroffenen Person und kann sich im Alltag unterschiedlich zeigen (z.B. durch Dissoziation).
Was bedeutet Dissoziation?
DISSOZIATION ist ein Zustand in dem sich Körper, Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen vom Bewusstsein „abschalten“ oder „abspalten“. Es ist eine Reaktion der Psyche auf extremen Stress, (Lebens-)Gefahr oder spezifische Auslöser, die mit einem traumatischen Erlebnis in Zusammenhang stehen.
Wenn eine Person dissoziiert, kann sie sich vielleicht wie „neben sich stehend“ fühlen, „wie in einem Film“, taub oder leer. Manche Menschen verlieren die zeitliche und räumliche Orientierung und haben mehrere Personenanteile.
Dissoziieren ist eine Schutzfunktion – eine persönliche Überlebensstrategie, um Ausnahmezustände und (extreme) Gewalt auszuhalten, wenn Flucht oder Kampf nicht möglich sind.
Was sind komplexe Gewaltfolgen?
So vielfältig wie die Menschen selbst, sind auch ihre Reaktionen auf extreme, wiederholte und langanhaltende Gewalt. Psychische Diagnosen, die mit extremer Gewalt in Zusammenhang gebracht werden sind u.a. die „komplexe Posttraumatische Belastungsstörung“ und verschiedene „dissoziative Störungen“, darunter die „Dissoziative Identitätsstörung“.
Wir bei LARA KOMPLEX verstehen psychische Reaktionen im Kontext komplexer Gewaltfolgen als Ausdruck einer inneren Anpassungsleistung – als Fähigkeit, in einer bedrohlichen und gewaltvollen Außenwelt zu überleben.
Für unsere Beratung ist daher nicht die Diagnose entscheidend. Was für uns zählt, ist das persönliche Erleben jeder Person, die sich an uns wendet.
Wie ist LARA KOMPLEX entstanden?
LARA KOMPLEX ist aus der praktischen Arbeit heraus entstanden.
In der Fachstelle LARA, die sich gegen sexualisierte Gewalt an Frauen, trans*, inter* und nicht-binären Personen richtet, wurde zunehmend eine gravierende Versorgungslücke sichtbar: Menschen mit Komplextraumatisierungen bringen spezifische Bedarfe und Unterstützungsziele mit, die sich deutlich von denen der allgemeinen Zielgruppe unserer Fachstelle unterscheiden und über die vorhandenen Kapazitäten hinaus gingen. Auch die bundesweite Versorgungslage zeigt, dass es bislang nur wenige passgenaue Angebote für diese Personengruppe gibt1.
Um dieser Realität gerecht zu werden und einen Teil der bestehenden Lücke zu schließen, haben wir Anfang 2025 LARA KOMPLEX gestartet – ein spezialisiertes Angebot, das auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Komplextraumatisierungen zugeschnitten ist. Dabei begleiten wir in akuten Krisen und unterstützen beim Aufbau von Netzwerken für unsere Klient*innen.
Literatur
1Boyer, S. M., Caplan, J. E., & Edwards, L. K. (2022).Trauma-related dissociation and the dissociative disorders: Neglected symptoms with severe public health consequences. Delaware Journal of Public Health, 8(2), 78–84. https://doi.org/10.32481/djph.2022.05.010
Levine, J. A. (2017). Mental health issues in survivors of sex trafficking. Cogent Medicine, 4(1). https://doi.org/10.1080/2331205X.2017.1278841
Sommer, J. (2016). Die psychotherapeutische Versorgungsrealität komplex traumatisierter Menschen in Deutschland: Ergebnisse einer Studie der Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e. V. Trauma & Gewalt, 10(4), 308–319. https://doi.org/10.21706/tg-10-4-308


